Stellungnahme der evangelischen Pfarrer zur ökumenischen Situation

Die Verpflichtung zur Ökumene ist begründet in dem Wort Jesu:

„Alle sollen eins sein;

wie du, Vater, in mir bist und ich in dir,

so sollen auch sie eins sein,

damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,21)

 

Damit ist die Einheit der Kirchen nicht in die Beliebigkeit der Handelnden gestellt, sondern diese Einheit wird von Jesus selber begründet. Ja, mehr noch:

An dieser Einheit entscheidet sich die Glaubwürdigkeit der Christen in dieser Welt.

So ist Jesu Wort Auftrag und Aufgabe der christlichen Kirchen, dem sie sich nicht entziehen können.

Spätestens seit Anfang der 1990er Jahre gibt es ein vielfältiges und fruchtbares ökumenisches Miteinander der evangelischen und katholischen Gemeinden in Harsewinkel und Marienfeld. Dieser Ausdruck gewachsener, sichtbarer ökumenischer Gemeinschaft mündete im 1. Ökumenischen Stadtkirchentag vom 20. - 22. September 1996. Seitdem entwickelten sich zahlreiche ökumenische Aktivitäten wie gemeinsame Gottesdienste und Bibelwochen, regelmäßige Treffen der in Seelsorge und Verkündigung Tätigen beider Konfessionen, Grußworte der jeweils anderen Konfession bei Konfirmationen, Erstkommunion und Firmung, größere Aktionen, wie z.B. die Lange Ökumenische Tafel mit über 200 TeilnehmerInnen in der Harsewinkler Innenstadt, ökumenische Kindermusicals mit bis zu 250 Kindern und vieles mehr.

Herausragend ist der jährlich in der Marienfelder Klosterkirche stattfindende Ökumenische Gottesdienst mit gleichzeitiger Feier von Eucharistie und Abendmahl „unter einem Dach“. Ein Gottesdienst, dessen liturgische Ausgestaltung die Geistlichen aller drei großen Konfessionen sichtbar im ökumenischen Geist feiern und der in dieser Ausgestaltung weit über unsere Stadtgrenzen hinaus Beachtung und höchste Anerkennung findet.

Die sicherlich größte und wichtigste gemeinsame Veranstaltung bildete der 4. Ökumenische Stadtkirchentag, bei der die drei großen Kirchen Harsewinkels (katholisch, evangelisch und syrisch-orthodox) eine gemeinsame „Charta Oecumenica“ verabschiedeten. Damit ist die Ökumene verpflichtender Arbeitsbereich aller drei Kirchen.

Neben den vielfältigen sichtbaren Aktivitäten entwickelte sich in den zurückliegenden 25 Jahren ein großes Vertrauen zwischen den Geistlichen, den hauptamtlich Mitarbeitenden und den Mitgliedern der jeweiligen Gemeinden untereinander bis hin zu Freundschaften. Hiervon aus ist seit vielen Jahren ein Grundverständnis gemeinsamen Handelns gewachsen, oft verbunden mit einem „kurzen Dienstweg“.

Dass die Ökumene in den Gemeinden fest verankert ist, zeigt sich daran, dass wir als evangelische Pfarrer in den letzten „turbulenten“ Wochen oft gefragt worden sind, wie wir das zukünftige ökumenische Miteinander beurteilen.

Sowohl Pater Gottfried als auch Dechant André Pollmann fühlten und fühlen sich immer sehr stark der Ökumene verpflichtet. Durch die Corona-Situation war das leider nicht mehr so offensichtlich, weil die meisten Gottesdienste und gemeinsamen Veranstaltungen nicht stattfinden konnten bzw. durften. Vieles davon liegt aber geplant „in der Schublade“, bereit zur Umsetzung, wenn die Pandemie beendet ist.

Deswegen bedauern wir es zutiefst, dass wir die Zukunft nicht mehr mit beiden katholischen Pfarrern gestalten können.

Wir wissen aber auch, dass wir gemeinsam seit vielen Jahren Strukturen und Beziehungen geschaffen haben, die in der Zukunft weiter tragfähig bleiben werden. Weil die Ökumene sozusagen zur DNA beider Gemeinden gehört, und das Bekenntnis dazu eine wichtige Rolle sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche spielt, sind wir sicher, dass der eingeschlagene Weg auch mit neuen Pfarrern in der Pfarrei St. Lucia nicht mehr umkehrbar ist.

Der wohl mit Abstand wichtigste Satz in der Charta Oecumenica lautet:

Nicht das gemeinsame Handeln muss begründet und gerechtfertigt werden, sondern das getrennte.

Diese Verantwortung für gemeinsames Handeln gilt verpflichtend auch weiterhin für alle drei Gemeinden, um den Auftrag Jesu aus dem Johannesevangelium zu erfüllen.

Martin Liebschwager und Jörg Eulenstein

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