Grusswort Winter 2019

Liebe Mitglieder unserer Gemeinde,

nach dem heißen Sommer ist es doch nun spürbar Herbst geworden. Das Laub fällt von den Bäumen, die ersten Herbststürme haben auch bei uns an der Christuskirche in Marienfeld zwei Bäume entwurzelt, möglicherweise sind noch andere Bäume durch den heißen Sommer in Mitleidenschaft gezogen.

Wie auch immer, wir merken in diesen Tagen stärker als sonst, wie sehr wir dem Kreislauf von Werden und Vergehen unterworfen sind. Die Schöpfung scheint in einen Tiefschlaf zu versinken, braucht Zeit, um sich zu erholen und neue Kraft zu sammeln, um sich dann im Frühjahr wieder in voller Schönheit zu entfalten

Vor ein paar Wochen war ich in Bielefeld im Theater und sah mir ein sehr kurzes einstündiges und mich sehr beeindruckendes modernes Theaterstück an: Kaleidoscope – to the dark side of the moon. Zur gleichnamigen Musik von Pink Floyd (die Älteren werden sich vielleicht noch erinnern…1973…) ereignet sich im fernen Weltall eine Tragödie. Ein Meteorit hat eine Raumkapsel zerstört. Die drei Besatzungsmitglieder werden in ihren Schutzanzügen ins Weltall geschleudert. Noch haben sie über Funk Kontakt miteinander, merken aber schnell, dass die Schwerelosigkeit sie in verschiedene Richtungen trennt. Als sie langsam realisieren, dass sie nicht gerettet werden können, sondern den Tod vor Augen haben, überdenken sie ihr Leben im Angesicht des Todes. Einer sagt: „Ach, ich habe eigentlich alles Schöne auf der Erde erlebt, ich kann jetzt auch gehen.“ Ein anderer sagt: „Gibt es etwas, das ich jetzt noch tun kann, um für ein schreckliches leeres Leben zu büßen?“ Ein Dritter entlädt seine ganze Wut und seinen ganzen Hass gegenüber dem nahenden Tod auf den Kommandeur des Raumschiffs. Drei völlig unterschiedliche Umgangsweisen mit dem Tod.

Am Ende des Stücks stellt sich ein Astronaut vor, er verglühe in der Erdatmosphäre und sei als Sternschnuppe sichtbar. Zwei Menschen sehen das und der letzte Satz im Stück lautet: „Wünsch Dir was“. Vor dem Applaus ist es zunächst ganz still im Theater.

Auch das Kirchenjahr lässt uns in diesen Tagen stiller werden. Mit seinen „dunklen“ Tagen Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag passt es sich der Schöpfung an und lässt uns spüren: auch wir sind dem Werden und Vergehen unterworfen. Wir gedenken der Verstorbenen und teilen die Trauer derer, die im vergangenen Jahr von einem lieben und vertrauten Menschen Abschied nehmen mussten. Gleichzeitig sind aber auch gerade diese Tage eine Möglichkeit – so wie bei den drei Astronauten – sein Leben im Angesicht der Mauer des Todes zu überdenken.

Nach diesen dunklen und stillen Tagen tasten wir uns dann in der Adventszeit langsam an das Weihnachtsfest heran und nähern uns dem Fest des Lebens. Gott überwindet unsere Finsternis und kommt als Licht der Welt zu uns, bis wir dann an Karfreitag und zu Ostern spüren, dass das Vergehen, der Tod, nicht das letzte Wort Gottes ist, das über uns Menschen gesprochen wird.
In dieser Gewissheit, dass Gott nicht nur unser Schöpfer, sondern auch unser Erlöser ist, wünsche ich Euch und Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit sowie ein gutes neues Jahr 2020.

Ihr/Euer

Martin Liebschwager

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