Grusswort Herbst 2019

Liebe Leserinnen und Leser,


die Sommerferien sind vorbei, auch die letzte Hitzewelle, die wir erlebten. Familien sind zurückgekehrt. Schule und Alltag ziehen wieder ihren gewohnten Gang. Die, die in den Sommerwochen unterwegs waren, suchten Erholung und Kraft sowie gemeinsame Zeit im Kreis der Familie und/oder der Freunde.

Auch ich war mit meiner Familie unterwegs; wir machten Urlaub an der Nordküste der dänischen Hauptinsel Seeland. Im Urlaub hat jede/r so seine/ihre Methoden, um Entspannung und Erholung zu finden. Ich schnappe mir dann gerne meinen Klappstuhl und gehe kurz vor Sonnenuntergang an die Steilküste bei Vejby oder Tisvildeleje, baue meine Fotogerätschaften auf und mache es mir an der Wasserkante mit freiem Blick auf den Horizont und der im Meer untergehenden Sonne “hyggelig”. Vor mir liegen viele Stunden der Nacht, um den Sternenhimmel zu fotografieren und um am Ende ein ganz besonderes Sternenbild zu haben; so genannte “Startrails” - Sternenbahnen.

Während die Kameras stetig Aufnahmen machen, lausche ich dem Wind und den Wellen, lasse meinen Blick über den Meereshorizont schweifen und folge meinen Gedanken, wenn ich zu den aufgehenden Sternen hinaufschaue.

Gerade der Blick in die Weite des Weltalls fasziniert mich seit Kindestagen, seit meine Eltern vor 50 Jahren mich frühmorgens weckten, damit ich live im Fernsehen erleben konnte, wie Neil Armstrong auf dem Mond den ersten menschlichen Fußabdruck hinterließ. Seitdem betrachte ich den Himmel mit leiser Sehnsucht, erkenne in dem Sichtbaren Gottes schöpferische Handschrift, sehe wie wohlgeordnet und schön der Himmel geschaffen wurde (und nach wie vor wird), wie unsere Erde in diesem unendlichen Weltall die wunderbare Arche unseres Lebens ist. Eine kostbare und einmalige Welt, unser Planet. Dieser Blick verbindet sich für mich mit dankbarem Gebet und mit tiefempfundenen religiösen Gefühl! Der Blick in den Himmel und ich erkenne, dass ich mit meinem Leben ein Teil dieses unendlich großen Ganzen bin – wie ein Senfkorn auf einem riesigen Acker, verschwindend klein und doch von Gott geliebt und mit seinem Segen getragen. Es ist in unserer Gegenwart schwierig geworden, über den eigenen Glauben zu sprechen. Einige lehnen das Reden über Gott und den Glauben grundsätzlich als kindlich und als Märchenschwärmerei ab, andere versuchen den christlichen Glauben als Waffenschild gegen andere Religionen

zu nutzen. Beides ist falsch, wird dem Glauben nicht gerecht, ist fürchterlich pathetisch und selbstüberzogen. Der Glaube im Alltag ist dabei so einfach und alles andere als naiv. Unser Glaube kann unsere komplizierte Welt akzeptieren; er geht nicht hin und bietet einfache Lösungen an, sondern weist uns unseren Platz auf dieser Erde und in dieser konkreten Zeit zu. Der Blick in den Himmel und zu den Sternenbahnen, das schenkt mir Gelassenheit, um den immer wieder schwierigen Alltag zu meistern, das schenkt mir Erkenntnis dankbar zu sein. Der Blick in den Himmel und zu den Sternen relativiert mich. Ich bin nicht der Nabel der Welt. Aber ich bin Gottes Geschöpf und soll in seinem Namen Segen in diese Welt bringen. Das heißt sich nicht auf Hitzköpfe einzulassen und stattdessen dem Nächsten mit Nachsicht und Nächstenliebe zu begegnen.

 

            Foto: Borgmeier

 

So grüße ich Sie und Euch alle herzlich,

Ihr/Euer Jörg Eulenstein

 

Drucken E-Mail

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen