Grußwort Frühjahr 2018

"Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit."

So beginnt einer der vielen modernen Psalmen, die Hanns Dieter Hüsch gedichtet hat.

Mich spricht gerade dieser Hüsch-Psalm immer wieder besonders an. Gleich diese ersten Zeilen sind Worte, aus denen Halt und Zuversicht unseres Glaubens sprechen. Meine Lebenszeit ist geschenkte Zeit aus Gottes Händen. Und in seinen Händen bleibt meine Lebenszeit erhalten. Getragen von Anfang an. So bekommt meine Zeit eine andere, vielleicht neue Wertigkeit. Was mache ich mit meiner Zeit? Wie nutze ich sie?

Hüschs Psalm setzt da an:      
“Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.”

Schlicht und scharfsinnig im Glauben verändern diese Worte die Perspektive. Wie anders das doch klingt als die Alltagsweisheit, die viele von uns aus ihrer Kindheit und Jugend kennen:         
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Hüsch und auch Luther drehen diese Denke um: Erst das Vergnügen, dann die Erlösung! Daraus folgt der evangelische Grundsatz: Ohne Vergnügen keine Erlösung. Was für eine kirchenreformerische Herausforderung! Sowohl vor 500 Jahren als auch heute!

“Ich bin vergnügt, erlöst, befreit” heißt also: Erst das Vergnügen, dann die Arbeit! Erst die Gnade, dann die Werke! Zwischendrin Erlösung und Befreiung.

Das Ganze zaubert dann bildhaft ein Lächeln in die Gesichter der Menschen. Kein grölendes Lachen, sondern ein wissendes und auch verschmitztes Lächeln, so wie das irische Segenslied in der 3. Strophe singt: “sei über vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt, Du bist schon tot.”

Es ist die Lust und die Freude am Leben aus Gottes Hand, die die Freiheit des Glaubens atmet. Es ist Freude am Leben, das im Glauben an die Güte und Treue Gottes immer wieder Trost und Kraft und, ja, auch Vergnügen findet. Denn das Wort „Vergnügen“ kommt von ver-genügen. Ein Vergnügen ist etwas, wo man Genüge hat. Etwas, das zufrieden, dankbar und fröhlich macht. Weil da genug und reichlich ist. Für mich und mein Leben. Und das darf ich auch zeigen.

Unser Pfarrteam hat diese Grundhaltung des Glaubens bei dem Mitarbeiter-Dankeschön-Fest im Januar fröhlich dargestellt: Vor dem Festessen fuhr das pfarramtliche Elektroauto, das “Papa-Mobil”, in den Saal des Waldschlößchens. Die Flügeltüren öffneten sich und wir drei Geistlichen, Vikarin Liebetrau, Pfarrer Liebschwager und ich, stiegen aus dem eigentlichen 2-Sitzer heraus. Ausgestattet mit alter Fliegerkappe, Fliegerbrille und stilsicherem weißen Schal hielten wir gemeinsam Rückschau in fröhlichen Versen aus der Feder von Pfarrer Liebschwager.

Vergnügt und dankbar. Und so war dann auch die Stimmung im gesamten Festsaal.

"Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit"

Wünschen wir uns, dass Gott unsere Zeit, unser Suchen und Fragen, unser Reden und Tun in seine Hände nimmt. Dass er uns Genüge schenkt. Und wenn sich dann um die Augen mehr die Lachfalten abzeichnen, dann können wir getrost und befreit unsere Straße fröhlich weiter ziehen. Jeden Tag aufs Neue.

Pfarrer Eulenstein im Fliegeroutfit

So grüße ich Sie und Euch vergnügt, erlöst und befreit,

Jörg Eulenstein

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