Impuls 25.10.2020

Auf allen Kontinenten feiern katholische Gemeinden den letzten Sonntag im Oktober den Sonntag der Weltmission. Am Missio-Sonntag denken wir darüber nach, was unser Dasein als Christen für uns selbst und für andere bedeutet.  Für eine Blume ist es ganz natürlich, ihre Umgebung mit Duft und die Herzen ihrer Betrachter mit Frische zu erfüllen. Denn etwas Schönes ist eine Freude für immer. Für eine Lichtquelle ist es ganz natürlich zu leuchten und die Wege der Pilger zu erhellen. Denn ein Stück Wahrheit ist ein Wunder für immer. Für eine Prise Salz ist es ganz natürlich, sich mit Nahrung zu vermischen und zu ihrem Geschmack beizutragen. Denn die Teilhabe am Guten ist ein Gewinn für immer.

Ebenso ist es für einen Christen ganz natürlich, Missionar zu sein, sich zu identifizieren mit dem größten Missionar, Jesus von Nazareth, dem Duft der Menschheit, dem Licht der Welt, dem Salz der Erde.    

Einst kam ein englischer Missionar zu Gandhi mit der Absicht, ihn zum Christentum zu bekehren. Er predigte ihm das Evangelium. Gandhi hörte geduldig zu und sagte am Ende der wortreichen Rede: „Eine schöne Blume muss nicht für sich selbst werben. Ihre Gegenwart ist Werbung genug. Ebenso muss es auch mit der Religion sein.“  Für mich ist Gandhi selbst ein wichtiger, christlicher Denker. Viele seiner politischen Theorien, z.B. gewaltloser Widerstand und Wahrheitssuche durch Fasten oder Schweigen wurzeln in der Bergpredigt. Gandhi selbst war also ein Missionar, der den Wohlgeruch der Botschaft Jesu verbreitete, obwohl er überzeugter Hindu war!

In der indischen Philosophie ist Satyam-Sivam-Sundaram eine Beschreibung unsere christliche Existenz als Wahrheit, Güte und Schönheit.

Satyam, die Wahrheit ist unsere besondere Opfergabe für Gott heute. Jesus sagte: „Ich bin das Licht der Welt“ und auch „ihr seid das Licht der Welt“.  Das heißt, wir sind dazu aufgerufen, das Licht, das Jesus ist, in uns aufzunehmen und es in die Welt hinauszutragen. Wir sollen von der Wahrheit, die Gott selbst ist, erfüllt sein.

Sivam, ist die Güte Gottes. Jesus sagte zu seinen Aposteln: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Deshalb ist das Salz ein Symbol für unsere christliche Existenz.  Das Salz gibt seine Identität auf, wenn es sich mit der Spice vermischt. Es verbessert ihren Geschmack und bewahrt sie vor dem Verderben. Salz ist das Symbol für Jesus selbst, der seine Identität mit Gott aufgab, um Mensch zu werden. Er opferte sogar seinen Leib, um Speise und Trank für uns zu werden.

Jesus verkörpert auch Sundaram- die Schönheit Gottes und den Wohlgeruch des Kosmos. Er ist unsere Hoffnung für die Menschheit. Der Heilige Paulus, einer der größten Missionare aller Zeiten, definierte seine missionarischen Existenz damit, Wohlgeruch Christi in der Welt zu sein (2 Kor. 2,15) Ein Christ ist dazu aufgerufen, ebenfalls ein Zeichen der Hoffnung und der Freude zu sein.

Wer in diesem Sinne Missionar ist, verkörpert die göttliche Präsenz in der Welt.  Eine Präsenz, die zur Wahrheit strebt.

Eine Präsenz, die die Güte vermehrt.

Eine Präsenz, die die Welt schöner macht.

 

Pater Paul Varghese, CMI

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Impuls 18.10.2020

„Hoppla, was ist denn hier passiert?!“  So dachten wohl nicht wenige, die in den letzten Wochen die St.-Lucia-Kirche betraten und die veränderte Sitzordnung wahrnahmen: auseinander gerückte Bänke und Stuhlreihen, etliche einzelne Stühle an den Seiten, vorne und hinten in der Kirche.

Ordnungsfanatiker würden vielleicht sagen: „Die Ordnung ist durcheinander gekommen!“ Ich dachte nur: „Suuuper!“  Der Effekt wird schnell klar: Durch das Auseinanderrücken einerseits und das groß-zügige Verteilen auf den stuhlfreien Flächen andererseits wurden – unter Corona-Bedingungen – zahlreiche zusätzliche Sitzplätze geschaffen. Auf einmal können mehr Menschen am Gottesdienst teilnehmen als zuvor, als die „legitimen“ Sitzplätze nicht mehr ausreichten.

Ein weiterer Effekt ist aber auch klar: Der Kirchenraum wirkt „bewegter“ und „bewegender“. Alle Sitzgelegenheiten sind deutlicher als zuvor auf die Altar-Mitte hin ausgerichtet – und auch mehr aufeinander hin. Wo auch immer wir sitzen (oder stehen, z.B. beim Hochgebet, wo es keine Kniebänke gibt) – wir sitzen bzw. stehen nicht mehr nur nebeneinander, sondern können zueinander schauen, einander anschauen, einander wahrnehmen, ja: einander zulächeln. Das finde ich schön! Ähnlich empfanden es auch mehrere, die vor der Kirche zusammenstanden und begeistert waren. So ist die Lucia-Kirche noch schöner, „wohnlicher“, gemeinschaftsstiftender geworden. (Nicht nur) Da wird für mich erfahrbar, was wir im Lied singen:

„Gott ruft sein Volk zusammen rings auf dem Erdenrund,

eint uns in Christi Namen zu einem neuen Bund.

Wir sind des Herrn Gemeinde und feiern seinen Tod.

In uns lebt, der uns einte. Er bricht mit uns das Brot.“  (GL 477)

Das Lied erinnert mich an unseren gemeinsamen Ursprung, unser aller Berufung und das, was uns im tiefsten Innern verbindet – egal, in welcher Kirche wir Gottesdienst feiern. Die „verrückten“ Stühle machen bewusst, was in einer eher traditionellen Sitzordnung manchmal etwas untergeht: dass Kirche und Gottesdienst kein „Privatvergnügen“ sind oder nur meinem „Seelenheil“, nur meiner Meditation dienen, sondern dass wir im Miteinander und Zueinander leben – auch über den eigenen Kirchturm und die eigene Konfession hinaus, wie Jörg Eulenstein so schön beschrieb. Denn: „Wer glaubt, ist nie allein!“ (Benedikt XVI.) Oder wie es in einem in der Studentengemeinde beliebten Lied hieß: „Zieh den Kreis nicht zu klein!“ (Da das Lied ansonsten vom „Anstecken“ spricht, passt es gerade wohl nicht so gut in die Corona-Zeit… J)

Von mir aus kann die Sitzordnung – die diagonale Richtung zum Altar und zueinander hin – so bleiben – auch dann, wenn eines Tages die Corona-Zeit überwunden sein wird!

Schön – und das war ja wohl der Auslöser dieser aufwändigen Umbaumaßnahme – dass wieder mehr Gemeindemitglieder die Sehnsucht nach dem Gottesdienst und dem Miteinander verspüren und die Kirchen wieder voller werden. Bleiben wir aber weiterhin vorsichtig und achtsam, um die Ausbreitung des Virus zu hemmen – aber nutzen wir auch die Möglichkeiten, die geboten werden – dies wünscht sich und uns                    

Ihre Hedwig Poetschki

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Impuls 27.09.2020

„Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein – um wieviel besser wäre das!“

(Phil 1, 23)

Erleben Sie das nicht auch manchmal? Dieses Hin- und Hergerissen sein. Vor der Aufgabe zu stehen, sich zeitnah für eine Lösung entscheiden zu müssen oder zu wollen.

Mir geht es jedenfalls so.

Zur Entscheidungsfindung wird genau abgewägt. Was spricht für den einen Weg, welche Vorteile birgt er in sich. Welche Konsequenzen kommen auf mich zu, wenn ich mich für die Alternative entscheide? Ist dann vielleicht alles besser? Es wird auf jeden Fall anders. Wäre die geplante Entscheidung es wert, das Vergangene, Bekannte hinter sich zu lassen, gebe ich alles auf und suche einen neuen Anfang?

Es ist oft eine zermürbende Zeit, diese Entscheidungsfindung und nicht selten hindert sie uns, das Leben tatsächlich mit all seinen Facetten in Angriff zu nehmen. Wir sind gefangen in einem Kreisverkehr und finden einfach nicht die richtige Ausfahrt, weil Zweifel und Angst vor dem Ungewissen uns plagt und wir ja eigentlich immer das Richtige tun wollen.

Dabei sollten wir eines nie vergessen:

Was wir auch tun, wie wir uns auch entscheiden, Jesus der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist um uns Nahe zu sein, wird uns auf unserem Weg begleiten. Egal, wie wir uns entscheiden, welche Richtung wir einschlagen – er geht mit uns.

Im Lied zum Bistumsjubiläum „1200 Jahre Bistum Münster“ heißt es in der ersten Strophe:

Gott geht mit uns auf allen unseren Wegen. Durch Raum und Zeit begleitet uns sein Geist. All unser Tun steht unter seinem Segen. Er ist das Wort, das Zukunft uns verheißt. Gestern und heute, heute und morgen: In jedem Leben ist Gottes Geist verborgen. Gestern und heute, heute und morgen: In Gottes großer Liebe bleiben wir für alle zeit geborgen.

Paulus sehnte sich danach, ganz bei Christus zu sein, er sah darin seine Erfüllung.

Bitten wir Gott darum, dass auch wir seine Wege, seine Pläne mit uns erkennen, um Glück und Zufriedenheit zu erlangen.

Thorsten Dammann

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Impuls 04.10.2020

Corona-Konfirmation
Wenn mich einer fragt, ob Corona irgendwas Vernünftiges oder Gutes bewirkt, dann erzähle ich folgendes:

Als mein letzter Konfirmationskurs 2019 begann, da gab es einen Brief mit einem Kalender für die Konfi-Zeit.
Mit dabei die Termine für die Konfirmationen in 2020. Schließlich sollten die Familien frühzeitig planen und einladen können.
Doch dann überschlugen sich bekanntermaßen die Ereignisse.
Nichts war mehr planbar. Erst recht keine Konfirmationen.
Als das gottesdienstliche Leben im Mai wieder vorsichtig startete, begann ich mit den Überlegungen für die Konfirmationen. Wie können wir sie würdig feiern? Und das mit und unter den ganzen Auflagen und Regeln?
Schnell war mir klar: Unsere evangelischen Kirchen sind zu klein! Und sehnsüchtig guckte ich aus dem Fenster in Richtung St. Lucia-Kirche. Und dachte: Warum nicht?
Im Presbyterium waren wir uns schnell einig. Daraufhin ein Gespräch mit Pfarrdechant André Pollmann und wir hatten nicht nur eine pragmatische Lösung, sondern vor allem eine sehr christliche!
“Einer trage des anderen Last, so werdet ich das Gesetz Christi erfüllen.” Gal.6,2

“Selbstverständlich könnt ihr die katholische Klosterkirche in Marienfeld und die St. Pauluskirche in Harsewinkel für eure Konfirmationen nutzen!” So die Antwort des katholischen Mitbruders.
Mit dieser frohen Botschaft rannte ich bei den Familien buchstäblich offene Türen ein. Und alle waren begeistert! Begeistert von unseren beiden Kirchengemeinden hier vor Ort.
So wurden die Konfirmationen zu Festgottesdiensten, die sowohl für die Konfirmand*innen als auch für die Familien als Jahreshöhepunkte gefeiert wurden. Corona zum Trotz!
Und so ganz nebenbei haben wir, Evangelische und Katholische, regionale Kirchengeschichte geschrieben.
Das ist Ökumene, wie sie sein soll! Kein Papiertiger, sondern gelebte Gemeinschaft. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar!
Auf dem Hintergrund dieser aktuellen Erfahrung wünsche ich Ihnen und Euch mit frohem Herzen ein dankbares Erntefest!

Ihr/Euer Jörg Eulenstein


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Impuls 20.09.2020

Was gibt mir Kraft…?

Vor fast genau 10 Jahren, am 5. August 2010 wurden in einem chilenischen Kupferbergwerk bei einem Grubenunglück 33 Arbeiter in 700 Meter Tiefe eingeschlossen. 70 Tage waren sie in der Grube eingeschlossen, bis sie schließlich gerettet wurden. Die ganze Welt nahm Anteil an ihrem Schicksal. Durch eine kleine Kamera, die in das Bergwerk eingeführt wurde, konnte die Weltöffentlichkeit das Schicksal der Eingeschlossenen verfolgen.

Nach der Rettung wurde ein Bergarbeiter mit folgenden Worten zitiert: "Ich habe vorher nie gebetet, aber in der Grube habe ich gelernt zu beten. Ich habe zu Gott gefunden."

Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass die Menschen gerettet wurden. Sie werden unterschiedliche Motive gehabt haben. Einige haben aus christlicher Verantwortung ehrenamtlich mitgeholfen. Andere haben es als ihre humanitäre Verpflichtung angesehen zu helfen, wieder andere wollten ganz einfach ihre Kumpels lebend wiedersehen. Die Geretteten haben ihre Rettung als Hilfe Gottes verstanden. Hier stellt sich natürlich die klassische Frage nach Gott und seinem Handeln. Was wäre passiert, wenn einige das Unglück nicht überlebt hätten und nicht alle lebend geborgen worden wären?

Ich persönlich glaube, dass Gott an einer ganz anderen Stelle mit dabei war:

Was gibt mir Kraft, bis Hilfe kommt ?

Wie kann man eine solche Hölle überleben? Mit allen Ängsten, mit aller Verzweiflung, mit allen Unwägbarkeiten bis zum Schluss, bis zur Rettung. Noch einmal: "Ich habe vorher nie gebetet, aber in der Grube habe ich gelernt zu beten. Ich habe zu Gott gefunden." Das Gebet hat den Bergleute Kraft und Hoffnung gegeben. Es hat ihnen ermöglicht, nicht aufzugeben sondern durchzuhalten, sich gemeinsam vor Gott zu stellen, ihn in ihre Mitte zu nehmen und mit ihm gemeinsam zu hoffen, dass alles Menschenmögliche getan wird um sie dort rauszuholen.

Immer wieder begegne ich Menschen, die verzweifelt, sind nicht mehr weiterwissen: „Warum tut mir Gott dieses oder jenes an?“. Meine Antwort lautet dabei immer: Gott tut Dir gar nichts an, das sind Menschen, die Dir etwas antun. Gott ist aber an Deiner Seite, weil er in Dir die Hoffnung wach hält, dass all das, was Dich heute noch klagen lässt, überwunden wird.

Das gibt mir Kraft, bis Hilfe kommt.

Martin Liebschwager

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