Impuls 18.10.2020

„Hoppla, was ist denn hier passiert?!“  So dachten wohl nicht wenige, die in den letzten Wochen die St.-Lucia-Kirche betraten und die veränderte Sitzordnung wahrnahmen: auseinander gerückte Bänke und Stuhlreihen, etliche einzelne Stühle an den Seiten, vorne und hinten in der Kirche.

Ordnungsfanatiker würden vielleicht sagen: „Die Ordnung ist durcheinander gekommen!“ Ich dachte nur: „Suuuper!“  Der Effekt wird schnell klar: Durch das Auseinanderrücken einerseits und das groß-zügige Verteilen auf den stuhlfreien Flächen andererseits wurden – unter Corona-Bedingungen – zahlreiche zusätzliche Sitzplätze geschaffen. Auf einmal können mehr Menschen am Gottesdienst teilnehmen als zuvor, als die „legitimen“ Sitzplätze nicht mehr ausreichten.

Ein weiterer Effekt ist aber auch klar: Der Kirchenraum wirkt „bewegter“ und „bewegender“. Alle Sitzgelegenheiten sind deutlicher als zuvor auf die Altar-Mitte hin ausgerichtet – und auch mehr aufeinander hin. Wo auch immer wir sitzen (oder stehen, z.B. beim Hochgebet, wo es keine Kniebänke gibt) – wir sitzen bzw. stehen nicht mehr nur nebeneinander, sondern können zueinander schauen, einander anschauen, einander wahrnehmen, ja: einander zulächeln. Das finde ich schön! Ähnlich empfanden es auch mehrere, die vor der Kirche zusammenstanden und begeistert waren. So ist die Lucia-Kirche noch schöner, „wohnlicher“, gemeinschaftsstiftender geworden. (Nicht nur) Da wird für mich erfahrbar, was wir im Lied singen:

„Gott ruft sein Volk zusammen rings auf dem Erdenrund,

eint uns in Christi Namen zu einem neuen Bund.

Wir sind des Herrn Gemeinde und feiern seinen Tod.

In uns lebt, der uns einte. Er bricht mit uns das Brot.“  (GL 477)

Das Lied erinnert mich an unseren gemeinsamen Ursprung, unser aller Berufung und das, was uns im tiefsten Innern verbindet – egal, in welcher Kirche wir Gottesdienst feiern. Die „verrückten“ Stühle machen bewusst, was in einer eher traditionellen Sitzordnung manchmal etwas untergeht: dass Kirche und Gottesdienst kein „Privatvergnügen“ sind oder nur meinem „Seelenheil“, nur meiner Meditation dienen, sondern dass wir im Miteinander und Zueinander leben – auch über den eigenen Kirchturm und die eigene Konfession hinaus, wie Jörg Eulenstein so schön beschrieb. Denn: „Wer glaubt, ist nie allein!“ (Benedikt XVI.) Oder wie es in einem in der Studentengemeinde beliebten Lied hieß: „Zieh den Kreis nicht zu klein!“ (Da das Lied ansonsten vom „Anstecken“ spricht, passt es gerade wohl nicht so gut in die Corona-Zeit… J)

Von mir aus kann die Sitzordnung – die diagonale Richtung zum Altar und zueinander hin – so bleiben – auch dann, wenn eines Tages die Corona-Zeit überwunden sein wird!

Schön – und das war ja wohl der Auslöser dieser aufwändigen Umbaumaßnahme – dass wieder mehr Gemeindemitglieder die Sehnsucht nach dem Gottesdienst und dem Miteinander verspüren und die Kirchen wieder voller werden. Bleiben wir aber weiterhin vorsichtig und achtsam, um die Ausbreitung des Virus zu hemmen – aber nutzen wir auch die Möglichkeiten, die geboten werden – dies wünscht sich und uns                    

Ihre Hedwig Poetschki

Drucken E-Mail

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen