Impuls 26.07.2020

Eine Geschichte, die ich vor über 40 Jahren erlebt habe, beschäftigt mich seitdem immer wieder:

Ich studierte damals in Bethel Theologie. Und  wenn wir Studenten und Studentinnen abends mal nach Bielefeld gehen wollten, mussten wir „über den Berg“. Einmal – und ich sehe es immer noch, als wäre es gestern – sah ich, wie ein kleines Mädchen auf einem Fahrrad saß. Der Vater stand einige Meter von ihr entfernt. Offensichtlich sollte sie zum ersten Mal ohne Stützräder fahren. Ihr Vater wollte sie mit weit ausgebreiteten Armen am Ende des Weges auffangen. Die Tochter vertraute ihrem Vater und versuchte loszufahren. Schon nach wenigen Metern fiel sie mitsamt dem Fahrrad um und weinte bitterlich. Ich weiß nicht, was sie danach gedacht haben mag. „Noch nicht einmal meinem Vater kann ich vertrauen?“  Wir diese Erfahrung Auswirkungen haben für ihr weiteres Leben oder steckt sie es einfach gut weg? Ich weiß es nicht. Immer wieder kommt mir diese Geschichte in den Sinn. Was passiert, wenn ich kein Vertrauen mehr haben kann, wenn ich von Menschen, denen ich vertraut habe, enttäuscht bin, wenn ich mich nicht mehr getragen weiß.

Dies Begebenheit fiel mir wieder am letzten Sonntag ein. Der Wochenspruch, der über der kommenden Woche stand, war eine Zusage Gottes, überliefert vom Propheten Jesaja aus dem Alten Testament:

„Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du gehörst zu mir“ (Jesaja 43,1).

Ganz nebenbei ist dieses Wort mein Taufspruch. Ich erfuhr ihn erst, als ich für mein Studium eine Taufbescheinigung brauchte.

Ich hatte vorher lange überlegt, ob ich Theologie studieren sollte, es gab auch andere Optionen für mich.

Aber als ich meinen Taufspruch las, spürte ich darin das tiefe Vertrauen, das mir darin entgegenkam. Egal, was Du tust, Du kannst mir vertrauen, und ich vertraue Dir.

Ich glaube, unser Leben ist mutiger und freier, wenn wir viel Vertrauen haben, in Gott, in Menschen, die es gut mit einem meinen und in uns selbst.

Vielleicht überlegen Sie heute auch: was trägt mich, worin gründet mein Vertrauen und wer sind die Menschen, die mir vertrauen können?

 

Martin Liebschwager

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