Impuls 26.03.2020

Liudger – Als der erste Bischof von Münster, der heilige Liudger, am 26. März des Jahres 809, als genau vor 1211 Jahren, in Billerbeck starb, hinterließ er ein beachtliches Lebenswerk. In wenigen Jahren hatte er in dem sehr dünn besiedelten Gebiet eine kirchliche Struktur geschaffen; aber eigentlich war etwas anderes viel wichtiger, wie uns sein Biograph Gregor von Utrecht überliefert: Er bereitete mit der Christianisierung der Versöhnung den Weg. Der Frankenkönig Karl der Große hatte die rebellischen Sachsen (nicht die heutigen Sachsen, sondern unsere Vorfahren) besiegt und die sächsischen Adligen zwangschristianisiert. Christliche Missionierung war in den Augen der westfälischen Bevölkerung (die Westfalen sind eine der drei Unterstämme der Sachsen) also eine Maßnahme der verhassten fränkischen Herrscher. Mit viel Geduld, Wohlwollen und Liebe verschaffte sich der Bischof Zugang zu den ablehnenden und verschlossenen Menschen, und durch ihn bekam das Christentum, für das Liudger sich mit ganzer Überzeugung einsetzte, ein menschliches und friedliches Gesicht. In einem alten Hymnus zum Fest des hl. Liudger wird dieser Gegensatz zwischen Karl dem Großen und Liudger zum Ausdruck gebracht: »Während der Kaiser mit blutigen Waffen diese Provinz besiegte, brachte der Bischof auf den Altären das unblutige Opfer (sc. den Kreuzestod Jesu) dar; so gründete und nährte er als Erster dieses Bistum« (aus dem Hymnus »Lux serena, lux decora«).

Besonders deutlich wird sein Versöhnungswirken in einer Tatsache, der wir heute kaum noch Beachtung schenken: in der Wahl der Heiligen, unter die er die von ihm gegründeten Pfarreien stellte. Der Domkirche gab er den hl. Paulus, den Völkerapostel, als Patron. Er gründete zahlreiche Taufkirchen, die er dem hl. Johannes dem Täufer weihte. Heiligen, die den Franken besonders wichtig waren (Martin z.B. in Greven und Nottuln, Dionysius in Rheine und Havixbeck), stellte er den hl. Lambert (Münster, Coesfeld) zur Seite, einem der wichtigsten Heiligen für Friesen und Sachsen. Und er verband das neugegründete Bistum mit der Gesamtkirche, dargestellt in den Aposteln und den alten römischen Heiligen (u. a. der hl. Laurentius in Warendorf und die hl. Lucia in Harsewinkel).

Was hat das mit heute zu tun? Vielleicht dies: Wir Christen sind aufgerufen, mit wohlwollender Geduld, menschlicher Zuwendung, lebendiger Authentizität und einem weiten Herzen den Glauben zu leben und zu verkünden. Dort, wo andere heute Abgrenzung, ja Ablehnung und Hass predigen, mögen wir deutliche Gegenakzente setzen. Deshalb können wir nicht anders, als in den eigenen Reihen die Gräben zwischen den Konfessionen zu überwinden; und denen (es werden immer mehr), die unsere kirchlichen Institutionen ablehnen und/oder überhaupt nicht mehr glauben, gilt es, mit eben diesem Wohlwollen zu begegnen. Kleine Zeichen von Menschlichkeit sind meistens mehr als große Worte. Und über den eigenen Tellerrand zu schauen und den Horizont zu weiten, hat noch niemandem geschadet. Bleiben wir wachsam und werden wir herzlich!

Ihr Pater Gottfried

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