Grußwort Frühling 2017

Liebe Leserinnen, lieber Leser!

“Wie?! Das kann doch gar nicht sein!”, so oder so ähnlich werden die Menschen auf Jesus reagiert haben. Die Bibel erzählt, wie einfache, wortkarge Fischer zu leutseligen Rednern werden. Die Bibel erzählt, wie die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes durch Jesus die Menschen verändert. Jesus geht auf Kranke zu, sorgt dafür, dass eine Witwe Unterstützung bekommt. Blinde können wieder sehen, Gebeugte stehen wieder aufrecht, Verzweifelte sind wieder hoffnungsvoll und es geschehen wunderbare Dinge, die das Leben wieder lebenswert machen. “Ja! Das kannst Du glauben!”, so ruft uns die Bibel entgegen. “Echt?”, “Ja, in echt! Kannste glauben!”

“Kannste glauben!” - mit dieser Überzeugung trat auch Martin Luther in das Rampenlicht der Weltgeschichte. Allein durch den Glauben bekommt jede/r die Liebe Gottes geschenkt. Ohne eine Vorleistung, ohne Geld. Diese Überzeugung (wieder-)entdeckte Martin  Luther in der Bibel und führte ihn dazu, die (überkommene) Glaubenswelt zu erneuern, die Kirche zu reformieren. Dieses Gute der Entdeckung mündete jedoch in Streit, Spaltung, Krieg und gegenseitige Verurteilungen. Aber: nach Jahrhunderten der Ächtung und Zerrissenheit erleben wir gerade in dem Jubiläumsjahr der Reformation, wie diese Gräben der unterschiedlichen Kirchenverständnisse immer mehr zugeschüttet werden. voranzuschreiten und sich mit dem Zustand der Spaltung nicht auf Dauer abzufinden.

Jörg Eulenstein in der Martin-Luther-Kirche

Im Februar kam es zu einer historischen Begegnung. Erstmals nach 500 Jahren trafen sich in Rom der Papst und die führenden evangelischen Bischöfe Deutschlands! Eine Privataudienz bei Papst Franziskus mit versöhnlichen Worten, die für einen wohltuenden Geist des Miteinanders stehen. Noch vor wenigen Jahren war dieses schlicht nicht vorstellbar. Unglaublich. Und nun: “Kannste glauben!” - die ausgestreckte Hand als Zeichen der gegenseitigen Anerkennung der Geschwister Jesu Christi. Noch hat dieses historische Treffen von Rom keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Noch nicht! Aber der Schritt in die Richtung der ökumenischen Einheit ist getan - “Kannste glauben!”, denn das macht das Geschenk des Papstes an die evangelische Gemeinde in Rom deutlich: Er schenkte den evangelischen Christen einen Abendmahlskelch und sprach von der unwiderruflichen Verpflichtung, auf dem Weg zur vollen Einheit der Kirchen voranzuschreiten und sich mit dem Zustand der Spaltung nicht auf Dauer abzufinden.

Auch wir haben solch’ einen Abendmahlskelch, den einst Pfarrdechant Heisterkamp unserer Gemeinde überreichte. Ein Kelch als Zeichen der Versöhnung, als Zeichen der ökumenischen Verpflichtung und damit der gemeinsamen Hoffnung auf die zukünftige Einheit am Abendmahlstisch.

Selbstverständlich bleiben grundsätzliche Unterschiede in der Theologie. 500 Jahre, in denen sich die Kirchen und ihre Traditionen unterschiedlich entwickelt haben, lassen sich nicht einfach wegreden. Aber über diese Themen werden wir uns weiter fruchtbar austauschen und hier in unserer Stadt weiter entschlossen den Weg der Ökumene gehen. Darum sei an dieser Stelle bereits auf den nächsten Ökumenischen Stadtkirchentag hingewiesen, bei dem wir diesen guten Weg zur Einheit der Christen weiter beschreiten werden:

“Kannste glauben!” - 7. Ök. Stadtkirchentag, 17.-24. September 2017.

Ihr/Euer

Jörg Eulenstein

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