Impuls 19.07.2020

„Alles wieder hochfahren!?“

Mit diesen Worten begann Dr. Rainer Hagencord, der Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster, seine Predigt am letzten Wochenende. Seine Gedanken über das Wort „Hochfahren“ inspirieren auch mich heute.

So vieles wurde und wird nach dem Corona-Lockdown wieder hochgefahren: Geschäfte und Lokale öffnen, man darf sich wieder mit Verwandten und Freunden treffen und verreisen, Museen, Theater sind wieder zugänglich, wir können wieder Gottesdienste feiern…  

Aber ist es wirklich gut, alles wieder hochzufahren??  Hat uns die Corona-Krise nicht auch gezeigt, dass wir durchaus auf manches verzichten sollten, was uns bisher so selbstverständlich war – und was uns und unserer (Um-) Welt gar nicht immer nur gutgetan hat: verpestete Luft durch Auto- und Flugzeugabgase; zu viele „Events“, die mich mehr in Veranstaltungsstress und Unruhe bringen, als dass ich mich erholen und abschalten könnte; gesünderes, selbst Gekochtes oder Gebackenes – gut und gerne ohne Billigfleisch, Fahrradfahren statt Auto…  

„Alles wieder hochfahren– gilt das auch in meinem Glauben, in meiner Beziehung zu Gott?“  fragte Dr. Hagencord. Da wurde ich sehr nachdenklich. Wenn ich mir so unsere leeren Kirchenräume und Gottesdienste nach dem Lockdown anschaue… - und es sind am wenigsten die Menschen der „Risiko-gruppe“, die fehlen…  Werden wir das Glaubens- und Kirchenleben wieder hochfahren?

Wie  kann ich meine Gottes-Beziehung hochfahren?  Gerade jetzt in der Sommerzeit fällt es leichter, mir Zeit und Ruhe zu gönnen, die Schöpfung wahrzunehmen und zu genießen, mal ein gutes – auch geistliches – Buch zu lesen, mich durch den Besuch einer Kirche oder eines Klosters ansprechen zu lassen, den Gottesdienst mitzufeiern – und vielleicht bewusst einmal nicht in der eigenen Kirche…. Auf Gott schauen und auf seine Schöpfung, Gott in der Natur suchen und finden, auf das Zusammen-spiel von Vögeln, Pflanzen und Menschen achten – alles organisch zusammensehen in seiner gegen-seitigen Abhängigkeit und Wirkung aufeinander – das kann heilsam sein.

Gottes Sorge um mich und die Schöpfung wahrzunehmen – das kann mich auch motivieren zu einem veränderten Lebensstil.

Gottes Sorge um mich zu meditieren, seine Wunderwerke zu bestaunen, ihn zu loben – das fördert meine Fähigkeit zum Erkennen eigener Bedürfnisse sowie meine Sensibilität für andere.

Was trage ich bei zu einem verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung?  Was tue ich, um meinem Wesen und „Auftrag“ gemäß zu wachsen und zu reifen?

Vielleicht entdecke ich auch manches in meinem Glauben, in meinem Gebetsleben, im Leben der Pfarrei, das nicht „hochgefahren“ werden muss oder soll, weil es nicht mehr „passt“ – weder zu mir noch in unsere Zeit; weil es nicht mehr guttut und uns hindert, offen und frei für Neues zu sein….

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir gerade die Sommer- und Urlaubszeit als Gelegenheit nutzen, um die Beziehung zum Schöpfer, zur Schöpfung und zu den Mitgeschöpfen hochzufahren – auch im Zusammenleben in der Gemeinde. 

Ihre Hedwig Poetschki

 

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