Impuls 23.03.2020

Es sind in diesen Tagen schon beklemmende Gefühle, die mich begleiten. Zweimal bin ich in der vergangenen Woche auf dem Friedhof gewesen, um Menschen zu beerdigen und Trauernde zu begleiten. Zweimal nach den neuen Bestimmungen, nur im engsten Familienkreis und maximal zusätzlich 15 Personen, die sich in gebotenen Abständen in der Friedhofskapelle versammelten. Mich schmerzte die Situation, dass nicht alle Menschen, die in einer Beziehung zu den Verstorbenen standen, Abschied nehmen durften. Zur Trauer über den Tod gesellte sich die Traurigkeit über eine Gemeinschaft, die wir im Moment nicht so leben können wie noch vor wenigen Wochen: geschlossene Kirchen, keine Gottesdienste, kein gemeinsamer Gesang, keine sichtbare Gemeinschaft in den Gruppen und Kreisen, kein näheres Zusammenstehen bei Begegnungen in der Stadt oder in den Geschäften.

Dann aber gibt es doch auch gute Zeichen gegen die Resignation. Die Hilfen beim Einkauf, die angeboten werden, Nachbarschaften stehen füreinander ein, helfen sich gegenseitig und vieles mehr, was mir Mut macht, dass wir doch noch eine solidarische Gemeinschaft sind.

Auch die vielen symbolischen Zeichen bewirken viel: das Applaudieren zu bestimmten Zeiten für Menschen, die durch ihren Beruf besonders gefährdet und gleichzeitig gerade jetzt so wichtig für unsere Gesellschaft sind, der Gesang auf den Balkonen und Fenstern, ein Gruß auf der Straße, der nicht mehr heißt: mach’s gut, sondern: bleib gesund, als ehrlicher Wunsch für einen Menschen den wir gerade getroffen haben.

Am Freitag haben wir als Kirchen- und Pfarrgemeinden erstmals gemeinsam Kerzen in die Fenster gestellt und um 19.30 für 5 Minuten die Glocken geläutet. Was für ein großes Zeichen der Gemeinschaft.  In vielen Gemeinden unserer Landeskirchen und Bistümer läuten zur selben Zeit die Glocken, laut und kräftig. Und sie singen ein Lied: lasst Euch nicht unterkriegen, versteckt Euch nicht, zündet Kerzen der Hoffnung an, verliert nicht den Mut und die Hoffnung in aller Bedrohung.

Im Alten Testament, im Buch der Sprüche heißt es:

Hoffnung, die sich verzögert, ängstigt das Herz;

wenn aber kommt, was man begehrt, das ist ein Baum des Lebens.

Im Moment sind wir verängstigt, wenn wir die Bilder aus Italien oder anderen Ländern sehen. Ja, wir sind verängstigt, weil wir langsam merken, Corona ist keine harmlose Form der Grippe. Ja, wir sind verängstigt, weil niemand von uns genau sagen kann, wie die mögliche Erkrankung verläuft.

Gleichzeitig aber wird auch irgendwann diese Bedrohung beendet sein.

Wenn aber kommt, was man begehrt, das ist ein Baum des Lebens.

Ja, es wird ein Baum des Lebens sein, der aus der Krise erwächst. Wir werden gespürt haben, dass wir zusammen gehören. Wir werden gemeinsam wieder Gottesdienste als sichtbare Gemeinde feiern, wir werden fröhlich tanzen und uns wieder in den Arm nehmen und dankbar sein, dass die Hoffnung uns durch Krankheit und sicherlich auch durch manches Leid und Entbehrung getragen hat.

Verliert niemals die Hoffnung und bleibt gesund!!

Ihr/Euer

Martin Liebschwager

 

 

 

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